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Alte Synagoge Steinsfurt e.V. |
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Synagoge in Steinsfurt
Ein Bericht aus dem Jahr 1803 lässt darauf schließen, dass die Juden Steinsfurts längere Zeit über keinen Versammlungsort zur Abhaltung des Gottesdienstes verfügten. Erwähnt sind in diesem Bericht vier ortsansässige jüdische Familien, "…welche nach Rohrbach in die Schule gehen, weil hier keine Synagoge ist". Vermutlich war die jüdische Gemeinde Steinsfurts lange Zeit zu klein, um einen geregelten Gottesdienst abhalten zu können, weil dafür laut jüdischem Religionsgesetz die Anwesenheit von mindestens zehn Männern erforderlich ist.
Erster Betsaal in der Ehrstädter Straße
Als im 19. Jahrhundert die Zahl der Juden deutlich zunahm, erfolgte zunächst die Einrichtung eines Betsaals im Haus von Josef Weil in der damaligen Ehrstädter Straße 2. Das Gebäude in der heutigen Lerchenneststraße 2 ist nicht erhalten. Als diese Räumlichkeit nicht mehr den Anforderungen der Gemeinde entsprach, beschloss man um 1890 den Neubau einer Synagoge, obwohl zu dieser Zeit die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder schon rückläufig war. Die Finanzierung des Vorhabens erfolgte durch Spenden und den Verkauf von Losen anlässlich einer Lotterie.
Bau der neuen Synagoge in den Jahren 1893/94
Das Grundstück für die Synagoge in der Adersbacher Straße erwarb die jüdische Gemeinde im Jahr 1892. Nachdem Anfang 1893 beim Bezirksamt Sinsheim der Antrag auf Genehmigung gestellt worden war, konnten schon am 10. August desselben Jahres die Bauarbeiten vergeben werden. Am 25. September erfolgte die Grundsteinlegung. Der Bau nach Plänen des Frankfurter Architekten Eugen Jack wurde im Juli des folgenden Jahres abgeschlossen.
Feierliche Einweihung unter Beteiligung des gesamten Dorfes
"Die … jüdische Gemeinde … feierte am letzten Freitag die Einweihung ihrer neu erbauten Synagoge. Die Festlichkeit verlief in allen Teilen würdig und erhebend. Mit Recht konnte Herr Rabbiner Dr. Sondheimer aus Heidelberg in seiner Festpredigt hervorheben, wie alle Bewohner Steinsfurts ohne Unterschied des Glaubens in seltener Einmütigkeit durch Beflaggen der Häuser und Beteiligung an der Feier wetteiferten. Sowohl der katholische als auch der evangelische Geistliche des Dorfes waren unter den Ehrengästen."
Diese Passage belegt nicht nur die feierliche Atmosphäre der Einweihung, sondern ist ein deutlicher Hinweis auf ein einvernehmliches Zusammenleben von Christen und Juden. Die rege Teilnahme von Einwohnern aller Konfessionen inklusive Priestern lässt darauf schließen, dass Juden längst zu akzeptierten und ins Dorfleben integrierten Mitbewohnern geworden waren.
Die jüdische Gemeinde konnte ihre neue Synagoge nur etwas mehr als 40 Jahre nutzen. Seit 1871 reduzierte sich die Zahl der Gemeindemitglieder kontinuierlich und belief sich im Jahr 1933 auf nur noch 32 Personen. Mit dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft beschleunigte sich dieser Mitgliederschwund durch Auswanderung. Die wenigen verbliebenen Mitglieder der jüdischen Gemeinde sahen sich im Jahr 1937 gezwungen, die Synagoge zu veräußern. Käufer war dieselbe in der Nachbarschaft lebende Familie, von welcher das Grundstück im Jahr 1892 erworben worden war.
Zunehmender Verfall der ehemaligen Synagoge
Die Schäden, welche an der ehemaligen Synagoge in der Folgezeit auftraten, waren das Ergebnis der jahrzehntelangen zweckfremden Nutzung, des Leerstands und des zunehmenden Verfalls. Im Jahr 2007 - 70 Jahre nach dem Verkauf der Synagoge - konnten nach langwierigen Verhandlungen zwischen Eigentümerin, Kommune und dem Verein Alte Synagoge Steinsfurt e.V. die Sanierungsmaßnahmen zum Erhalt und zur sinnvollen Nutzung des Bauwerks beginnen.
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