|
Alte Synagoge Steinsfurt e.V. |
|
|||||||
| Kontakt Ι Impressum | ||||||||
| Home |
Juden in Steinsfurt
Das Judentum in Deutschland weist eine sehr lange Tradition auf. Die erste urkundliche Erwähnung von Juden in Deutschland stammt aus dem Jahr 321 und bezieht sich auf die Stadt Köln. Zu dieser Zeit bestanden vermutlich weitere jüdische Gemeinden im deutschen Raum, für die es allerdings keine schriftlichen Belege gibt. Eine Zuwanderung von größerem Ausmaß setzte im 10. Jahrhundert ein. Bis zum Ende des 11. Jahrhunderts etablierten sich jüdische Gemeinden in den damaligen politischen und wirtschaftlichen Zentren wie Worms, Speyer, Mainz, Trier, Köln und Regensburg, die an wichtigen Wasserstraßen und Handelswegen lagen. Der süddeutsche Raum wurde somit früh zu einem Schwerpunkt jüdischen Lebens.
Juden als Stadtbewohner
Juden lebten zu dieser Zeit vorwiegend in Städten und siedelten dort in enger Nachbarschaft zur Bewahrung ihrer kulturellen und religiösen Identität. Explizit zugewiesene Wohnbezirke, außerhalb derer Juden nicht leben durften, entstanden erst in späterer Zeit. Die Zahl der Juden in Deutschland war immer vergleichsweise gering. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung belief sich meistens auf unter ein Prozent.
Juden als Motor der wirtschaftlichen Entwicklung
Das Hauptmotiv zur Aufnahme von Juden war meistens ökonomischer Art. Hoch geschätzt war vor allem ihre Tätigkeit als Kaufleute und Händler, weil sie damit einen bedeutenden Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung leisteten. Zu einem weiteren wichtigen Erwerbszweig wurde allmählich der Geldhandel - vor allem seit die Kirche anlässlich des Dritten und Vierten Laterankonzils in den Jahren 1179 und 1215 der christlichen Bevölkerung die Geldleihe gegen Zinsen untersagte. Von vielen anderen Berufszweigen waren Juden dagegen ausgeschlossen. Landwirtschaftliche Betätigung war ihnen meistens durch entsprechende Gesetze untersagt. Auch die Ausübung des Handwerks war Juden nicht möglich, da sie den christlichen Zünften nicht beitreten konnten. Die Berufsstruktur der Juden war damit von Anfang an stark durch weltliche und kirchliche Gesetzgebung geprägt.
Prekärer rechtlicher Status der Juden
Die rechtliche Lage der Juden unterschied sich - bis weit ins 19. Jahrhundert - grundlegend von derjenigen der christlichen Bevölkerung. Sie unterstanden direkt der Krone, die ihre Rechte an den Juden - vornehmlich diejenigen, Steuern und Abgaben zu erheben - veräußern, verpfänden und verpachten konnte. Die Rechte, die Juden zugestanden wurden, konnten jederzeit wieder aufgehoben werden. Diese unsichere Rechtslage führte in Krisenzeiten immer wieder zu Verfolgungen und Vertreibungen.
Juden im Kraichgau
Für das Gebiet des heutigen Baden-Württembergs stammen die ältesten Urkunden, die Juden erwähnen, aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Im Kraichgau findet erstmals im Jahr 1288 in Bruchsal ein jüdischer Einwohner Erwähnung. Im 14. Jahrhundert häufen sich die Meldungen über jüdische Bewohner des Kraichgaus - u.a. in Bretten, Sinsheim, Waibstadt, Neckarbischofsheim, Wiesloch und Eppingen. Zu dieser Zeit wurden viele Orte des Kraichgaus zu Städten erhoben, welche die Dienste von Juden als Fachleute für Handel und Geldwirtschaft gerne in Anspruch nahmen.
Erste Verfolgungen und Vertreibungen im Kraichgau
Eine erste Verfolgungswelle gewaltigen Ausmaßes, die auch die Juden des Kraichgaus in Mitleidenschaft zog, fand während der Pestjahre 1348-50 statt. Juden wurden unter dem absurden Vorwurf der Vergiftung von Brunnen und Quellen als Urheber der Seuche bezichtigt und vielerorts ermordet oder vertrieben. Für den Kraichgau lassen sich in diesem Zusammenhang in Bretten, Bruchsal, Waibstadt, Wiesloch und Eppingen Verfolgungen belegen.
Nach diesen Schreckensjahren werden erst Ende des 14. Jahrhunderts wieder vereinzelt Juden im Kraichgau erwähnt, die aber schon im Jahr 1390 aus allen Gemeinden, die zur Kurpfalz gehörten, wieder vertrieben wurden.
Erste Erwähnung von Juden in Steinsfurt
Erst nach Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-48) lässt sich für den Kraichgau wieder eine Zunahme der Zahl der Juden feststellen. Weite Landstriche waren in Folge des Krieges entvölkert und verwüstet, so dass alle verfügbaren Kräfte zum wirtschaftlichen Aufbau bereitwillig aufgenommen wurden. Aus der Zeit stammt das älteste Zeugnis jüdischer Existenz in Steinsfurt. Im Jahr 1688 wird mit Isaak Wolf erstmals ein jüdischer Einwohner Steinsfurts genannt. Mit ihm beginnt die Geschichte der Juden in Steinsfurt.
|
|||||||
| Copyright © 2008-2009 Alte Synagoge Steinsfurt e.V. | ||||||||